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EZB: Wird das Anleihekaufprogramm PEPP bald erweitert?

Dienstag den 20.10.2020

Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte bald weitere Maßnahmen ergreifen, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Das geht aus einem Interview hervor, das EZB-Präsidentin Christine Lagarde der französischen Tageszeitung „Le Mond“ gegeben hat. Demnach drohe der wirtschaftliche Aufschwung an Dynamik zu verlieren.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • EZB-Präsidentin Lagarde sieht den derzeitigen wirtschaftlichen Aufschwung gefährdet
  • Ihrer Ansicht nach sind die geldpolitischen Mittel der EZB noch nicht ausgeschöpft
  • Zugleich hat sich eine Diskussion um eine „grünere“ Geldpolitik entsponnen

„Wenn mehr getan werden muss, werden wir mehr tun.“

„Seit der Gegenbewegung, die wir im Sommer erlebt haben, war die Erholung ungleichmäßig, ungewiss und unvollständig und läuft jetzt Gefahr, an Schwung zu verlieren“, äußerte Lagarde gegenüber Le Monde. Im Herbst sei besondere Aufmerksamkeit gefordert. Für den Fall, dass sich die Situation verschlechtern sollte, wären noch nicht alle geldpolitischen Möglichkeiten ausgeschöpft. „Wenn mehr getan werden muss, werden wir mehr tun.“[1]

Die Aussage erinnert an die Aussage des ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi, der in Folge der Finanzkrise 2007 seine Maßnahmen mit einem „Whatever it takes“ unterstützte. Ähnlich scheint nun auch Lagarde das Vertrauen in die europäischen Wirtschaft und die EZB stärken zu wollen.

PEPP hat bereits einen Umfang von 1,35 Billionen Euro

Am wahrscheinlichsten ist es, dass das Anleihekaufprogramm PEPP weiter aufgestockt wird. Dieses wurde im Zuge der Coronakrise aufgelegt und umfasste ursprünglich 750 Milliarden Euro, die bis Jahresende 2020 investiert werden sollten. Im Juni wurde es bereits auf 1,35 Billionen Euro aufgestockt und stand zuletzt auf dem Prüfstand.

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Quellen:

Unter anderem durch PEPP hat sich die Bilanzsumme der EZB in zwölf Monaten um knapp 41 Prozent erhöht. Anfang Oktober lag sie bei 6,7 Billionen Euro.

Muss die Geldpolitik „grüner“ werden?

Zugleich hat sich eine Diskussion darüber entsponnen, worin genau die Milliarden der EZB investiert werden sollen. Hier sucht die EZB den Input der Zivilgesellschaft. Insbesondere geht es um die Frage, ob die Geldpolitik „grüner“ werden soll. Bisher gilt das Prinzip der Marktneutralität. Unter anderem die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert jedoch, dass die EZB künftig nur Anleihen von Unternehmen kaufen solle, deren Produkte eine saubere Umweltbilanz aufweisen.[2]

Weiterführende Links

[1] Handelsblatt – Europäische Zentralbank

[2] SZ – „Jeden Stein umdrehen“