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Einlagensicherung: Wie gut sind Einlagen in der Euro-Zone gedeckt?

Dienstag den 31.08.2021

Einlagen bei Banken etwa auf dem Tages- oder Festgeld sind in Deutschland und der Euro-Zone durch die gesetzliche Einlagensicherung des jeweiligen Landes geschützt. Um diesen Schutz zu gewährleisten, müssen die Banken Rücklagen bilden – genauer gesagt: Die EU schreibt vor, dass bis 2025 0,8 Prozent der Einlagen durch Rücklagen gedeckt sein müssen. Bisher wird diese Deckungsquote jedoch in vielen Ländern nicht erreicht. Wir zeigen den aktuellen Stand und die Entwicklung seit 2015.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • In Deutschland stieg die Deckungsquote von 0,24 Prozent (2015) auf 0,56 Prozent (2020)
  • Übererfüllt werden die Vorgaben der EU (0,8 Prozent bis 2025) u.a. von Island, Rumänien und Kroatien
  • In den meisten Ländern der Euro-Zone ist die Deckungsquote 2020 höher als 2015, allerdings müssen sie insgesamt noch zulegen, um bis 2025 die Vorgaben zu erfüllen

Deckungsquote liegt in Deutschland bei 0,56 Prozent

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Quellen:

Stand 2020 haben die Banken in Deutschland für 0,56 Prozent der Einlagen, die über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB) abgesichert sind, Rücklagen gebildet. Damit sind sie noch ein gutes Stück von der vorgeschriebenen Deckungsquote von 0,8 Prozent bis 2025 entfernt. Immerhin gab es in den letzten Jahren jedoch deutliche Fortschritte. 2015 lag die Deckungsquote noch bei mageren 0,24 Prozent. Macht Deutschland in dem Tempo weiter, kann es die Vorgaben bis 2025 erreichen.

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Quellen:

Trotzdem liegt Deutschland mit 0,56 Prozent etwas unter dem Schnitt aller Länder in der Euro-Zone. Bei diesen sind 2020 0,66 Prozent der Einlagen durch Rücklagen abgesichert. Das ist etwas besser als im Vorjahr (0,64 Prozent) und liegt auch über dem Wert von 2015 (0,57 Prozent). 2018 hatte die Deckungsquote mit durchschnittlich 0,77 Prozent jedoch schon einmal näher an den Vorgaben der EU gelegen.

Musterschüler Island, mittelmäßiges Deutschland

Zu den Ländern, die bereits jetzt die Vorgaben der EU erfüllen, zählen unter anderem Island, Rumänien und Kroatien, aber auch Schweden, Polen, Griechenland und Norwegen. Besonders fällt hier Island ins Auge mit einer Deckungsquote von 4,41 Prozent.

Deutschland hingegen befindet sich lediglich im Mittelfeld – auf einem ähnlichen Niveau wie Ungarn (0,60 Prozent) und Spanien (0,51 Prozent). Sehr schlecht sieht es in Österreich (0,23 Prozent), Italien (0,22 Prozent), Liechtenstein (0,10 Prozent) und Portugal (nur FGCAM, 0,00 Prozent) aus. In Liechtenstein wurde dabei erst 2019 damit begonnen, Rücklagen zu bilden.

Deckungsquote in Prozent
Land 2015 2016 2017 2018 2019 2020
Stand 27.08.2021, Quelle: EBA
Belgien 1,01 1,08 1,17 1,25 1,31 1,36
Bulgarien 0,79 0,76 0,96 1,18 1,17 1,77
Dänemark 1,24 1,22 1,21 1,28 1,16 1,11
Deutschland – EdB 0,24 0,31 0,38 0,46 0,52 0,56
Deutschland – EdÖ 0,39 0,36 0,36 0,38 0,37 0,41
Deutschland – DSGV- Haftungsbund 0,35 0,39 0,43 0,48 0,45 0,51
Deutschland – BVR Institutssicherung 0,22 0,29 0,36 0,42 0,47 0,52
Estland 3,20 3,02 2,64 2,37 1,70 1,57
Finnland 1,38 1,34 2,10 0,89 0,90 0,88
Frankreich 0,30 0,32 0,33 0,35 0,37 0,39
Griechenland 1,38 1,39 1,45 1,43 1,40 1,33
Irland 0,00 0,10 0,16 0,30 0,40 0,46
Island 2,20 2,26 2,46 2,61 2,84 4,41
Italien – Genossenschaften 0,00 0,09 0,17 0,27 0,35 0,36
Italien – Banken 0,04 0,09 0,16 0,23 0,23 0,22
Kroatien 2,53 2,25 2,50 2,88 3,01 2,62
Lettland 1,35 1,72 1,83 2,14 0,30 1,30
Liechtenstein 0,00 0,00 0,00 0,00 0,06 0,10
Litauen -0,75 0,20 0,42 0,43 0,81 0,81
Luxemburg 0,00 0,26 0,51 0,76 0,85 0,89
Malta 1,17 1,19 1,01 0,97 0,93 0,95
Niederlande 0,00 0,09 0,19 0,28 0,36 0,39
Norwegen 2,54 2,57 2,72 2,75 1,26 1,23
Österreich 0,04 0,13 0,22 0,30 0,38 0,23
Österreich – Sparkassen 0,04 0,13 0,22 0,31 0,38 0,46
Polen – Banken 1,59 1,65 1,71 1,80 1,79 1,81
Polen – Kreditgenossenschaften 0,26 0,30 0,00 0,10 0,15 0,32
Portugal – FGD 1,23 1,19 1,19 1,16 1,13 1,04
Portugal – FGCAM 2,85 2,70 2,54 2,30 2,10 0,00
Rumänien 3,28 3,40 3,17 3,01 2,96 2,71
Schweden 2,26 2,26 1,76 2,57 2,55 2,42
Slowakei 0,67 0,66 0,63 0,63 0,58 0,68
Slowenien 0,00 0,09 0,18 0,28 0,37 0,43
Spanien 0,14 0,22 0,27 0,28 0,41 0,51
Tschechien 1,43 1,30 1,34 1,29 1,31 1,21
Ungarn 0,23 0,32 0,35 0,20 0,54 0,60
Zypern – Banken 0,84 0,55 0,39 0,25 0,25 0,29
Zypern – CCIs 0,23 0,23 0,24
Gesamt 0,47 0,55 0,61 0,65 0,54 0,66

Wichtig ist aber nicht nur die Deckungsquote an sich, sondern auch die Entwicklung in den letzten Jahren. So hat sich die Deckungsquote in Deutschland seit 2015 deutlich verbessert. Das ist ein Plus von 133,33 (EdB).

Auch bei Italiens und Österreichs Banken ist mit einem Plus von 450 bzw. 475 Prozent seit 2015 ein deutlicher Wille erkennbar, die Vorgaben der EU bis 2025 zu erreichen. Von 2019 auf 2020 gab es jedoch einen Dämpfer. In diesem Zeitraum ist in beiden Ländern ein Rückgang zu beobachten.

Unter anderem in Estland, Rumänien und Schweden gingen die Deckungsquoten seit 2015 zwar zurück. Da sie aber die Anforderungen der EU bereits übererfüllen, gibt das wenig Anlass zur Sorge. Anders sieht es beispielweise bei Ungarn aus, wo die Deckungsquote ebenfalls zurückgegangen ist. Zwar steht das Land aktuell noch besser da als Deutschland. Die Vorgaben der EU jedoch noch nicht erreicht.

Insgesamt stimmt die Tendenz in der Euro-Zone: +12,28 Prozent seit 2015. Allerdings müssen die Länder beim Tempo noch zulegen. Ein Plus von 21 Prozent ist bis 2025 erforderlich, um die EU-Vorgaben zu erfüllen.

Entwicklung von Einlagen, Rücklagen und Deckungsquote
Land Veränderung der Ein­lagen seit 2015 Veränderung der Rück­lagen seit 2015 Veränderung der Deckungs­quote seit 2015
Belgien 13,71% 53,38% 34,65%
Bulgarien 42,82% 221,38% 124,05%
Dänemark 12,93% 1,54% -10,48%
Deutschland – EdB 25,81% 194,32% 133,33%
Deutschland – EdÖ 123,67% 134,20% 5,13%
Deutschland – DSGV- Haftungsbund 24,46% 82,02% 45,71%
Deutschland – BVR Institutssicherung 28,58% 197,20% 136,36%
Estland 143,71% 19,83% -50,94%
Finnland 91,38% 21,09% -36,23%
Frankreich 32,73% 71,82% 30,00%
Griechenland 31,68% 27,01% -3,62%
Irland * 36,82% 501,98% 360,00%
Island -12,24% 75,77% 100,45%
Italien – Genossenschaften * 37,00% 428,42% 300,00%
Italien – Banken 31,50% 642,61% 450,00%
Kroatien 20,05% 24,39% 3,56%
Lettland 18,96% 14,79% -3,70%
Liechtenstein ** -23,06% 92,56% 66,67%
Litauen 47,59% -257,88% -208,00%
Luxemburg * 29,28% 338,50% 242,31%
Malta 44,24% 16,96% -18,80%
Niederlande * 21,35% 390,40% 333,33%
Norwegen 9,01% -47,08% -51,57%
Österreich 39,80% 663,47% 475,00%
Österreich – Sparkassen -15,86% 780,01% 1050,00%
Polen – Banken 44,47% 64,47% 13,84%
Polen – Kreditgenossenschaften -29,41% -13,86% 23,08%
Portugal – FGD 27,37% 7,98% -15,45%
Rumänien 50,89% 24,85% -100,00%
Schweden 10,62% 18,33% -17,38%
Slowakei 38,23% 39,52% 7,08%
Slowenien * 37,86% 499,48% 1,49%
Spanien 20,24% 324,60% 377,78%
Tschechien 49,57% 25,83% 264,29%
Ungarn 39,97% 274,84% -15,38%
Zypern – Banken 76,23% -38,75% 160,87%
Zypern – CCIs
Gesamt 27,33% 70,81% 12,28%
Stand 27.08.2021, Quelle: EBA, eigene Berechnungen
* seit 2016, da 2015 noch keine Rücklagen vorhanden
** seit 2019, da vorher noch keine Rücklagen vorhanden

Was ist die Deckungsquote?

Die Deckungsquote zeigt, wie sich die abgesicherten Einlagen zu den Rücklagen der jeweiligen Einlagensicherung verhalten. Gibt es so viele abgesicherte Einlagen wie Rücklagen, ist die Deckungsquote 100 Prozent. Gibt es halb so viele Rücklagen wie abgesicherte Einlagen, ist die Deckungsquote 50 Prozent. Die EU schreibt eine Deckungsquote von 0,8 Prozent bis 2025 vor.