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Müssen Notenbanken stärker mit der Öffentlichkeit kommunizieren?

Donnerstag den 24.01.2019

Notenbanken dürfen sich in ihrer Kommunikation nicht länger nur an Wirtschaftsexperten wie Analysten, Händler und die Finanzpresse richten. Das meint der Ökonom Michael Weber von der Universität Chicago. Die Geldpolitik der Notenbanken wirkt nur dann, wenn auch die breite Öffentlichkeit die Ziele versteht.

Verbraucher verhalten sich oft anders als in ökonomischen Modellen

In der Studie „MONETARY POLICY COMMUNICATIONS AND THEIR EFFECTS ON HOUSEHOLD INFLATION EXPECTATIONS“ stellt Weber mit seinen Kollegen zunächst heraus, dass sich die Kommunikation der Notenbanken in den letzten dreißig Jahren stark verändert hat. Märkte werden nicht mehr von den Entscheidungen überrumpelt, stattdessen werden diese vorsichtig dargelegt und erklärt. Allerdings richten sich die Notenbanken weiterhin vor allem an Experten.

An der breiten Öffentlichkeit geht die Politik der Notenbanken hingegen oft vorbei. Ein Großteil der Menschen weiß nur wenig darüber, was die Notenbanken machen und welchen Einfluss ihre Entscheidungen haben. Das ist auch darum ein Problem, weil sich die Verbraucher selten so rational verhalten, wie es die ökonomischen Modelle der Notenbanken beschreiben – etwa mehr kaufen, wenn sie eine höhere Inflation erwarten. Deshalb sollten sich Notenbanken stärker direkt an die Verbraucher wenden, so Weber.[1]

Notenbanken experimentieren mit Schulbesuchen und Twitter

Quellen:

  • Deutsche Bundesbank

Erste Schritte hin zur Kommunikation mit der breiten Öffentlichkeit gibt es bereits. So führt die Bank of England beispielsweise Townhall-Meetings durch. Diese finden im ganzen Land statt und richten sich an Menschen, die nicht aus dem Finanzsektor kommen. Teilweise setzen Notenbanken auch auf Schulbesuche. Die finnische Notenbank ist auf Twitter aktiv. Ihre Mitarbeiter werden im Umgang mit Twitter geschult und angehalten, sich auf der Plattform an Diskussionen zu beteiligen.

89 von 380 Angestellten machen bisher mit. Sehr aktiv ist auch Notenbankchef Olli Rehn, der inzwischen 18.500 Follower hat. „Unser Ziel ist es, mit einer größeren Gruppe von Leuten in Kontakt zu treten, die wir mit den traditionellen Medien nicht erreichen“, heißt es von Kommunikationschefin der finnischen Notenbank, Elisa Newby.[2] Die Europäischen Zentralbank (EZB) setzt hingegen vor allem auf einen zentralen Account.

Die breite Öffentlichkeit darf nicht außen vor gelassen werden

Ob Twitter der richtige Weg ist, um die Politik der Notenbanken zu vermitteln, darüber lässt sich streiten. Ohne Zweifel ist es jedoch wichtig, dass auch die breite Öffentlichkeit versteht, was die Notenbanken machen. Immerhin wirkt sich deren Politik ganz konkret aus. Setzt die EZB den Leitzins – wie aktuell der Fall – auf 0,0 Prozent, um die Wirtschaft anzukurbeln, erhalten Sparer auch kaum mehr Zinsen auf ihre Tages- und Festgelder. Wenn jedoch bei der breiten Öffentlichkeit nicht ankommt, dass es Ziel dieser Politik ist, die Konsumausgaben der Verbraucher zu steigern, laufen die Maßnahmen ins nichts und der Leitzins bleibt niedrig.

Weiterführende Links

[1]Universität Chicago – Monetary Policy Communications (englisch)

[2]Handelsblatt – Wie Notenbanken weltweit mit neuen Kommunikationskanälen experimentieren


 
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