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Zeit für große Bankenfusionen in Europa noch nicht reif

Donnerstag den 7.06.2018

Am Montag machte die Nachricht die Runde, dass die italienische Unicredit mit dem französischen Konkurrenten Société Générale fusionieren wolle. Beide Banken dementierten sofort. Doch die Diskussion um Fusionen von Großbanken in der EU kommt dadurch endgültig ins Rollen.

Fusionen von Banken sollen einfacher werden

Erst am 18.06.2018 setzte sich der französische Notenbankchef Francois Villeroy vor Journalisten dafür ein, Bankenfusionen in der Europäischen Union einfacher zu machen. Besonders bei grenzüberschreitenden Fusionen sollen die Hürden abgebaut werden. Für das EZB-Ratsmitglied wäre das ein weiterer Schritt in Richtung Vollendung der Bankenunion.[1]

Da passte es gut ins Bild, dass nur eine Woche später vermeldet wurde: Die Großbanken Unicredit und Société Générale wollen sich zusammenschließen. Allerdings stellte sich die Nachricht als eine Ente heraus. Ein Verwaltungsrat der Unicredit äußerte gegenüber dem Handelsblatt, im Board der Mailänder Bank sei nicht über das Thema Société Générale gesprochen worden.

Dementi: Keine Gespräche zwischen Unicredit und SocGen

Ebenso lautete die Reaktion der Société Générale. Von dort hieß es: „Im Verwaltungsrat der Société Générale gibt es keinerlei Überlegungen über eine mögliche Annäherung an Unicredit.“ Es stehe derzeit vor allem die Stärkung des eigenen Geschäfts im Fokus.[2]

Trotz der Dementis ist nun eine Diskussion über Fusionen von Großbanken in der EU im Gange. Schon vor Francois Villeroy äußerte der stellvertretende Verwaltungsratschef des amerikanischen Vermögensverwalters Blackrock: „Wir brauchen einen voll integrierten Bankenmarkt in Europa. Nur dann sind grenzüberschreitende Fusionen großer Institute möglich, die notwendig sein werden, um den europäischen Bankensektor wieder profitabler und schlagfähiger zu machen.“

Außerdem: „Deutschland ist ganz klar ‚overbanked‘. Es gibt für die Größe des Marktes zu viele Kreditinstitute.“

Zu früh für große Bankenfusion in der EU

Kritiker halten jedoch entgegen, dass die Zeit für große Bankenfusionen in der EU noch nicht gekommen ist. Sowohl Banker als auch viele nationale Aufseher sind der Meinung, zuerst müssten die Altlasten der Finanzkrise beseitig werden. Bevor die Geschäftsmodelle und Profitabilität der Banken nicht auf Vordermann gebracht wurden, sollten Fusionen kein Thema sein.[3]

Weiterführende Links

[1] Handelsblatt – EZB-Ratsmitglied will Bankenfusionen über Grenzen hinweg erleichtern

[2] faz – Blackrock sorgt sich um Zustand von Europas Banken

[3] Handelsblatt – Warum europäische Bankenfusionen schwierig sind
 
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