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Mario Draghi – Ära ohne Ende?

Dienstag den 29.10.2019

Am Montag wurde Mario Draghi aus seinem Amt als Präsident der Europäischen Zentralbank verabschiedet. Jetzt steuert Christine Lagarde die Geschicke des Instituts. Während Mario Draghi bei der Abschiedszeremonie von allen Seiten viel Lob erhielt und als Retter der Eurozone gefeiert wurde, wird er deutschen Sparern wohl nicht in ganz so guter Erinnerung bleiben. Tatsächlich ist zu befürchten, dass Mario Draghi den Bogen überspannt hat und die niedrigen Zinsen Sparern noch lange ein Dorn im Auge bleiben.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Am Montag übernahm Christine Lagarde das Amt der EZB-Präsidentin
  • Ihr Vorgänger Mario Draghi zementierte zuvor seine Niedrigzinspolitik
  • Ein baldiges Ende der Niedrigzinsphase ist nicht in Sicht

Draghi – der Retter des Euros

„Whatever it takes.“ Dieser Satz von Mario Draghi hat sich eingebrannt. 2012 versprach er damit, alles zu tun, was nötig sei, um den Euro zu retten und die Wirtschaft zu stabilisieren. Die Finanzkrise hatte damals ihren Höhepunkt erreicht. Heute sind sich viele Ökonomen darin einig, dass er damit die Lage tatsächlich beruhigt hat.

Quellen:

„Whatever it takes“ hieß in der Praxis vor allem: Anleihekäufe in Milliardenhöhe und die Absenkung des Leitzinses auf 0,0 Prozent. Der Kauf von Anleihen begann 2015. Zeitweise wurden monatlich Staats- und Unternehmensanleihen in Höhe von 60 Milliarden Euro gekauft. Mehrmals wurde das Ende der Anleihekäufe erwartet. 2017 sprachen viele Medien von einer Halbierung der Anleihekäufe auf 30 Milliarden Euro, obwohl es richtiger gewesen wäre, von einer Verlängerung und 270 weiteren Milliarden zu sprechen. Im Dezember 2018 kam schließlich das Ende, das sich inzwischen aber nur als Pause erwies.

Lagarde sind die Hände gebunden

Der Europäische Leitzins befindet sich seit 2016 bei 0,0 Prozent. Am Ende seiner Laufzeit zementierte Draghi seinen Kurs der lockeren Geldpolitik ein. Er beließ der Leitzins bei 0,0 Prozent, das Anleihekaufprogramm wird neu aufgelegt.

Seiner Nachfolgerin Lagarde sind damit zumindest für die ersten Monate die Hände gebunden. Ob sie danach von seinem Kurs abweichen wird, ist ungewiss. Zumindest mahnte sie Achtsamkeit gegenüber den Wirkungen der Niedrigzinsen in Europa an und will die Nebeneffekte im Blick behalten.

Doch die konjunkturelle Stimmung ist gedämpft – nicht zuletzt aufgrund des Handelskonfliktes zwischen den USA und China sowie des Brexits. Der Spielraum ist also eng. Ein baldiger Anstieg der Zinsen unwahrscheinlich. Als Leuchtstreif am Horizont bleibt, dass zuletzt immerhin von der deutschen Exportwirtschaft wieder positive Signale kamen.

Weiterführende Links

SZ – Draghi geht, Lagarde übernimmt

Manager Magazin – So weit könnte die EZB die Geldschleusen noch öffnen

Handelsblatt – Stimmung in Exportwirtschaft hellt sich deutlich auf