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IW-Studie: Zinstief hält bis 2050 an

Donnerstag den 8.08.2019

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht bei Sparern derzeit nicht hoch im Kurs. Erst vor zwei Wochen bekräftigte sie, dass die Zinsen bis Mitte 2020 „auf ihrem gegenwärtigen oder einem niedrigeren Niveau“ verbleiben werden[1]. Damit wurde die Hoffnung auf eine baldige Erhöhung des Leitzinses begraben. Nun setzt das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sogar einen drauf. Laut dessen Prognose müssen Sparern noch bis 2050 mit niedrigen Zinsen rechnen.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • IW prognostiziert Zinstief bis 2050
  • Hauptgrund für die niedrigen Zinsen ist der demographische Wandel
  • Sparer sollten sich auf dauerhaft neidrige Zinsen einstellen

EZB nicht allein verantwortlich für Zinstief

Zunächst nimmt das IW die EZB in Schutz. Ihr Handeln sei nicht der einzige Grund für die niedrigen Zinsen. Stattdessen heißt es in der Pressemitteilung: „Schon seit Beginn der 1990er Jahre sinken die inflationsbereinigten Zinsen in allen Industrieländern […]. Das hat mehrere Gründe: Nach der Theorie der globalen Sparschwemme sind in vielen Nationen die Sparquoten hoch. Das wiederum drückt langfristig die Zinsen. Zudem investieren viele Unternehmen nicht mehr klassisch in Maschinen und Gebäude, sondern immer öfter in Daten und Lizenzen, geben dafür aber weniger Geld aus und sparen mehr, was ebenfalls die Zinsen drückt. Dazu kommt, dass in einigen Ländern die staatlichen Investitionen zurückgehen.“[2]

Quellen:

Den Hauptgrund für die niedrigen Zinsen sieht die Studie jedoch anderswo. So sorge der demographische Wandel dafür, dass die Menschen mehr fürs Alter sparen, weil sie davon ausgehen, lange zu leben. Das drückt die Zinsen. „Dieser demografische Trend lässt sich in den kommenden Jahrzehnten nicht aufhalten“, heißt es von IW-Ökonom und Studienautor Markus Demary. „Er führt dazu, dass die Zinsen auch in absehbarer Zeit nicht nennenswert steigen.“

Schlechte Aussichten für Sparer bis 2050

Darum hat die IW-Studie die Bevölkerungsprognosen verwendet, um herauszufinden, wie sich die Zinsen bis 2050 entwickeln werden. Für Sparer bedeutet das Ergebnis wenig Grund zur Freude. Auch bei einem Ende der expansiven Geldpolitik der EZB werden die Realzinsen – also die Zinsen nach Abzug der Inflation – bis 2025 nur auf 1,3 Prozent steigen. Anschließend werden sie aufgrund des demographischen Wandels bis 2050 wieder auf 0,0 Prozent sinken.

Der Ökonom Lars Feld kritisierte allerdings, dass es kaum möglich sei, über einen so langen Zeitraum die Zinsen vorauszusagen: „Das ist nicht nur Kaffeesatzleserei, sondern vollkommen unseriös“, schrieb er auf Twitter. [3] Ohne Zweifel wird es jedoch noch eine Weile dauern, bis Sparer wieder mit höheren Zinsen rechnen können.

Weiterführende Links

[1] Handelsblatt – EZB sieht von Zinssenkungen noch ab

[2] IW – Pressemeldung

[3] Handelsblatt – Zinsen werden lange niedrig bleiben