1,50% p.a.



Sorgen Negativzinsen für mehr Tagesgeld-Eröffnungen?

Donnerstag den 25.11.2021

Im ersten Moment klingt es paradox: Negativzinsen führen dazu, dass mehr Tagesgelder eröffnet werden. Das aber ist die Schlussfolgerung einer Analyse des FinTech-Unternehmens Raisin DS, das auf den Portalen WeltSparen und Zinspilot selbst Tagesgelder vermittelt. Richtig ist in jedem Fall, dass 2020 die Zahl der neu eröffneten Tagesgelder im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zugenommen hat.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • 2020 wurden deutlich mehr Tagesgelder eröffnet als in den Vorjahren
  • Ein Grund könnte sein, dass Sparer wegen der Minuszinsen und niedrigen Freibeträgen ihr Vermögen auf mehrere Tagesgeldkonten verteilen
  • Ein anderer Grund könnte die Sparquote sein, die 2020 deutlich höher war als in den Jahren zuvor

Wird das Vermögen auf mehrere Tagesgelder verteilt?

Laut der Analyse gab es 2020 bei Tagesgeldern einen Zuwachs von vier Prozent. In den Jahren 2014 bis 2019 betrug er hingegen nur jeweils weniger als ein Prozent. Da die Zinsen seit Jahren sinken, kann Zinshopping – also die Jagd nach dem höchsten Zins – kaum der Grund für den sprunghaften Anstieg im vergangenen Jahr sein. Das bestätigt auch die Analyse.

Was aber ist dann der Grund? Dr. Tamaz Georgadze, Co-CEO von Raisin DS, beantwortet die Frage so: „Die Negativzinsbelastung für Bankkunden hat sich in den vergangenen Jahren verschärft. Zunächst haben viele Institute damit begonnen, nur auf besonders hohe Guthaben Verwahrentgelte in Form von Minuszinsen zu erheben. Anschließend wurden vielerorts jedoch die Freibetragsgrenzen abgesenkt. Es ist daher keine Überraschung, dass die Deutschen ihr Geld nun verstärkt in kleineren Beträgen über mehrere Banken verteilen.“ [1]

Auf der Suche nach Anlagealternativen

Auch faz griff das Thema auf und hakte unter anderem bei der Bundesbank nach. Diese bestätigte den Anstieg bei den Tagesgeldern im vergangenen Jahr. Max Herbst von der FMH-Finanzberatung kommentierte zudem: „Es ist schon logisch, dass die Kunden das Geld besser verteilen, wenn die eine oder andere Bank ein Verwahrentgelt verlangt.“[2]

Laut der Direktbank ING würden Sparer hingegen mehr in Richtung Wertpapiersparen, weniger in Richtung Tagesgeld tendieren – was auch durch einige Umfragen bestätigt wird. Der Stuttgarter Bankenprofessor Hans-Peter Burghof sieht die Sache so: Die Negativzinsen hätten die Bankkunden „in Bewegung gebracht“. Auf der Suche nach Anlagealternativen würden sie derzeit mehr auf Tagesgeldkonten als auf Sparbücher setzen.

Mehr Tagesgeldkonten wegen höherer Sparquote?

Bedienhinweis: Einzelne Datenreihen lassen sich durch Klick auf die betreffende Überschrift aus- und wieder einblenden.

Quellen:

Allerdings sticht noch ein anderer Grund für die gestiegene Zahl der Tagesgelder im vergangenen Jahr ins Auge. So machte die Sparquote während der Corona-Pandemie einen enormen Sprung von 10,9 Prozent 2019 auf 16,2 Prozent 2020. Dass davon – neben anderen Anlagen wie Wertpapieren – auch Tagesgelder profitieren, wäre jedenfalls wenig verwunderlich.

Dennoch kann es eine gute Strategie gegen niedrige Freibeträge sein, das Vermögen auf mehrere Tagesgelder bei unterschiedlichen Banken zu verteilen, um so einem Negativzins zu entkommen. Ebenso kann das die Lage bei den Negativzinsen jedoch verschärfen. So vermutete Finanz-Szene.de unlängst, die Direktbank DKB habe ihre Minuszins-Grenze für Neukunden auf 25.000 Euro gesenkt, weil Kunden von ING zu ihr geflüchtet waren. Die ING hatte zuvor Negativzinsen angekündigt.

Weiterführende Links

Weltsparen.de – Pressemeldung

faz – Verwahrentgelt und Tagesgeld

Finanz-Szene.de – Newsletter