EZB: Ende des Anleihen-Kaufprogramms im Herbst?

Innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB) geht die Diskussion um eine Ende des Anleihen-Kaufprogramms weiter. Ratsmitglied Klaas Knot fordert, das Anleihen-Programm auslaufen zu lassen und nennt den Herbst 2018 als guten Zeitpunkt. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet glaubt hingegen, die EZB ist noch nicht an ihrem Ziel angekommen.

Stopp des Anleihen-Kaufprogramms mit Auslaufphase

„Es ist vernünftig, das Anleihen-Kaufprogramm nach September zu stoppen, mit einer kurzen Auslaufphase falls nötig”, sagte der niederländische Notenbank-Chef Klaas Knot. Er sieht es an der Zeit, das Programm herunterzufahren. „Erst danach werden wir uns anderen Instrumenten zuwenden – wie etwa unseren Zinssätzen.”[1] Knot sieht auch die Inflation in der Euro-Zone auf Kurs. Mittelfristig wird sie in seinen Augen knapp 2,0 Prozent anstreben.

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Quellen:

Chefvolkswirt Peter Praet: Inflationsziel noch nicht erreicht

Der Belgier Peter Praet äußerte hingegen: „Wir haben unsere Mission noch nicht vollendet.“ Noch sei man nicht am Ziel, einer Inflationsrate von knapp 2,0 Prozent, angekommen. Umfassende geldpolitische Hilfe hält er weiterhin für erforderlich. Damit soll mehr Preisdruck aufgebaut werden.[2] Die Inflation im Euro-Raum lag zu Beginn des Jahres bei 1,3 Prozent. Ende 2017 betrug sie 1,4 Prozent. In den Augen der EZB sollte sie bei knapp 2,0 Prozent liegen.

Anleihen-Käufe seit Januar 2018 halbiert

Das Anleihenkauf-Programm der EZB wurde bereits mehrfach verlängert – zuletzt im Oktober 2017. Zuvor war als Ende des Anleihen-Programms der Dezember 2017 angedacht gewesen. Aktuell läuft es bis September 2018. Seit Januar 2018 ist das Kaufvolumen jedoch halbiert. Wurden bis Ende 2017 noch Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro pro Monat erworben, sind es seit Anfang 2017 „nur“ noch Anleihen im Wert von 30 Milliarden Euro pro Monat. Ziel der Anleihen-Käufe ist es, das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone anzukurbeln. Das Kaufprogramm gilt dabei als umstritten. Dem Europäischen Gerichtshof liegt in Bezug auf das Programm inzwischen eine Klage wegen illegaler Staatenfinanzierung vor. Zuletzt wurde außerdem bekannt, dass die EZB verstärkt auf Anleihen hochverschuldeter Staaten setzt. Ob das Programm überhaupt wirkt, ist nicht erwiesen.

Sparer leiden unter niedrigen Zinsen

Solange das Anleihen-Kaufprogramm läuft, besteht für Sparer keine Hoffnung auf höhere Zinsen. Das wird aus den Worten Klaas Knots deutlich. Tages- und Festgelder mit attraktiven Renditen sind entsprechend rar. Ausnahmen bilden das Tagesgeld der Consorsbank mit 1,00 Prozent Zinsen p.a. garantiert für sechs Monate und das Festgeld der J&T Banka mit 1,15 Prozent Zinsen p.a. bei einer Laufzeit von zwölf Monaten (Stand: jeweils 05.02.2018).
Weiterführende Links [1] Handelsblatt – EZB-Ratsmitglied hält Auslaufphase bei Anleihekäufen für denkbar [2] Handelsblatt – „Haben unsere Mission noch nicht erfüllt“