Leitzinsen: Inflation steigt, die EZB wartet ab

Es ist die Woche der Notenbanken und die Europäische Zentralbank (EZB) hat ebenfalls eine Entscheidung zu den Leitzinsen getroffen: Vorerst bleibt alles unverändert. Trotz der Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Inflation, belässt die Notenbank die Leitzinsen bei 2,00 Prozent (Einlagenzins). Der Hauptrefinanzierungssatz liegt weiterhin bei 2,15 Prozent und der Zinssatz der Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 2,40 Prozent. Diese Zinssätze gelten bereits seit Juni 2025. Für die nächste Ratssitzung im Juni 2026 stehen die Zeichen allerdings auf Zinsanstieg.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Hohe Energiepreise, steigende Inflation: EZB steht vor einer Anhebung der Leitzinsen, verschiebt jene aber in den Sommer
  • Einlagenzins bleibt im April 2026 stabil bei 2,00 Prozent
  • Weitere Notenbanken haben ebenfalls ihre Leizins-Entscheidungen bekanntgegeben

Leitzins-Erhöhung wohl erst im Juni

Insbesondere die Energiepreise sorgen dafür, dass die Inflationsraten derzeit in die Höhe schießen. Innerhalb des Euroraums lag Wert im März 2026 bei 2,5 Prozent. Für die kommenden Monate dürften jener sogar weit über dem Ziel der EZB von 2,0 Prozent liegen und sich eher in Richtung der 3,0-Prozent-Marke bewegen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage im Auftrag der EZB rechnen die Verbraucher in den kommenden zwölf Monaten mit einer Teuerungsrate von ca. 4,0 Prozent. In Deutschland wird die Inflationsrate für April 2026 auf 2,9 Prozent geschätzt.

Entsprechend steht die Zentralbank vor dem Dilemma: Eigentlich müsste eine Erhöhung des Leitzinses erfolgen, allerdings läuft die Konjunktur auf Sparflamme, was diesen Schritt erschwert.

In ihrer aktuellen Erklärung gab die EZB nun an, dass sich die verfügbaren Daten weitestgehend mit den bisherigen Einschätzungen der EZB zu den Inflationsaussichten decken, sich aber die „Aufwärtsrisiken für die Inflation und die Abwärtsrisiken für das Wachstum“ erhöht hätten.

„Durch den Krieg im Nahen Osten sind die Energiepreise kräftig gestiegen, was die Inflation in die Höhe treibt und das Konjunkturklima belastet. Die Folgen des Krieges für die mittelfristige Inflation und die Wirtschaftstätigkeit werden von der Intensität und der Dauer des Energiepreisschocks sowie vom Ausmaß seiner indirekten Auswirkungen und Zweitrundeneffekte abhängen“, so die Aussage der Zentralbank.

Darüber hinaus fassten sich die Notenbanker kurz und bekräftigten lediglich, weiterhin Reaktionsfähig zu sein. Nichts Neues gab es hinsichtlich der Anleihenverkäufe: Die APP- und die PEPP-Bestände verringerten sich in einem maßvollen und vorhersehbaren Tempo.

Leitzinsen: Fed, Bank of Japan und weitere Zentralbanken haben entschieden

Nicht nur die EZB gab in dieser Woche ihre Leitzins-Entscheidung bekannt, sondern gleich vier weitere Notenbanken, darunter u. a. die Bank of Japan (0,75 Prozent; stabil), die US-Zentralbank Federal Reserve (3,50 bis 3,75 Prozent; stabil) und die Bank of Canada (2,25 Prozent; stabil). Die Währungshüter in England beließen den Leitzins bei 3,75 Prozent.

Die nächste Ratssitzung der EZB erfolgt am 11. Juni 2026. Vor der Sommerpause wird der Rat danach noch einmal am 23. Juli 2026 zusammenkommen.

Weiterführende Links und Quellen

Geldpolitische Beschlüsse der EZB am 30. April 2026

ECB Consumer Expectations Survey results – March 2026

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