Leitzinsen: Die Inflation steigt und die EZB reagiert

Die Spatzen in Frankfurt am Main pfiffen es schon seit Tagen von den Dächern und nun bestätigten sich die Erwartungen: Die Europäische Zentralbank (EZB) hebt die Leitzinsen um 25 Basispunkte an. Entsprechend steigt der für Sparer wichtige Einlagenzins auf 2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz klettert gleichzeitig auf 2,40 Prozent und der Zinssatz der Spitzenrefinanzierungsfazilität auf 2,65 Prozent. Das entschieden die Ratsmitglieder am 11. Juni. Die Terminmärkte hatten diese Zinserhöhung bereits eingepreist. Es könnte nicht der letzte Anstieg in diesem Jahr sein.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die Europäische Zentralbank (EZB) passt den Einlagenzins auf 2,25 Prozent an
  • Erste Leitzinserhöhung seit September 2023
  • Prognosen sehen weitere Zinserhöhungen für dieses Jahr voraus

Inflationsanstieg sorgt für Zinsschritt

Die Inflationsdaten aus dem Mai 2026 ließen der Europäischen Zentralbank nicht mehr viel Spielraum: Mit (vorläufig) 3,20 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg die Inflationsrate in der Eurozone auf den höchsten Wert seit September 2023. Bereits im April lag die Inflation mit 3,00 Prozent sichtbar über dem Zielwert der EZB – angetrieben von hohen Energie- bzw. Ölpreisen infolge des Iran-Kriegs. Experten erwarten, dass die Lage auf diesem Markt weiterhin angespannt bleibt. Insofern war das Handeln der Zentralbank angemessen und erwartbar.

Wie es hinsichtlich der Inflation weitergeht, erklärten die Mitglieder des Rats der Europäischen Zentralbank im Rahmen der neuen makroökonomischen Prognose, die nach oben korrigiert wurde: Die Experten des Eurosystems rechnen in ihrer aktuellen Basisprognose damit, dass die Gesamtinflation im Jahr 2026 durchschnittlich 3,0 Prozent beträgt. Für 2027 wird ein Rückgang auf 2,3 Prozent erwartet, bevor die Inflationsrate 2028 mit 2,0 Prozent wieder das Zielniveau erreicht. Die Kerninflation, bei der die schwankungsanfälligen Bereiche Energie und Lebensmittel ausgeklammert werden, soll im Durchschnitt bei 2,5 Prozent in den Jahren 2026 und 2027 sowie bei 2,2 Prozent im Jahr 2028 liegen. Gegenüber der Prognose vom März wurden die Inflationsaussichten für 2026 und 2027 nach oben angepasst. Ausschlaggebend dafür sind vor allem höhere Energiepreise, die voraussichtlich auch die Preise für Lebensmittel, Waren und Dienstleistungen beeinflussen werden.

An den Aussagen zu den Anleiheverkäufen änderte sich wenig: Die Wertpapierbestände aus den geldpolitischen Programmen (APP und PEPP) verringern sich weiterhin in vorhersehbarem Tempo.

Prognose: Der nächste Zinsanstieg kommt im Herbst

Da die Aussichten eingetrübt bleiben, sehen diverse Ökonomen mindestens einen weiteren Leitzinsanstieg in diesem Jahr voraus. „Im September rechnen wir mit einer weiteren Zinserhöhung“ erklärte Dr. Björn Ohl (apoBank). „Für die kommenden zwölf Monate ergibt sich folgendes Muster: erst zwei Schritte vor, dann wieder zwei zurück.“ Mittelfristig, d. h. im Laufe des Jahres 2027, sollte die Zentralbank zu einem Leitzins von 2,00 Prozent zurückkehren. „Angesichts des sich hinziehenden Konflikts am Persischen Golf und der sich aus ihm ergebenden Inflationsgefahren dürfte spätestens im September ein weiterer Schritt um 25 Basispunkte folgen“, erläuterte Marco Wagner von der Commerzbank. “Einen dritten Schritt zum Jahreswechsel, wie er an den Märkten derzeit vorweggenommen wird, halten wir hingegen für unwahrscheinlich.“

Die letzte Ratssitzung der EZB vor der Sommerpause findet am 23. Juli 2026 statt. Danach geht es erst im September 2026 weiter.

Weiterführende Links und Quellen

Geldpolitische Beschlüsse der EZB am 11. Juni 2026

Commerzbank: Wie oft erhöht die EZB ihre Zinsen?

Tagesgeldrechner: