Die US-Notenbank Federal Reserve legte am Mittwoch vor und beließ die amerikanischen Leitzinsen in einer Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Am Folgetag gab auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Entscheidung hinsichtlich der Zinsen bekannt – hier gab es ebenfalls keine Änderungen. Aufgrund des anhaltenden Inflationsdrucks gehen Experten allerdings davon aus, dass es sich nur um eine Verschnaufpause handelt. Bereits im Dezember könnte die EZB ihre Zinssätze nach oben anpassen.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Der EZB-Einlagenzins bleibt stabil bei 2,50 Prozent
- Federal Reserve und Europäische Zentralbank lassen ihre Leitzinsen im Oktober 2026 unverändert
- Zinspause könnte schon im Dezember mit einem erneuten Anstieg enden
- EZB-Präsidentin Lagarde nur noch bis 7. Februar 2027 im Amt
EZB und Fed legen Zinspause ein
Den Wunsch nach sinkenden Leitzinsen konnte US-Fed-Chef Kevin Warsh seinem Präsidenten erneut nicht erfüllen. Stattdessen bliebt die amerikanische Zentralbank auf Kurs und blieb bei unveränderten Leitzinsen. Vorerst. In Europa verkündeten die EZB-Präsidentin Christine Lagarde (die zudem heute ihren Rücktritt im Frühjahr 2027 verkündete) und die übrigen Ratsmitglieder das gleiche Ergebnis: Eine Zinspause. Damit bleibt der für Sparer relevante Einlagenzins bei 2,50 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz wird weiterhin mit 2,65 Prozent und der Zinssatz der Spitzenrefinanzierungsfazilität mit 2,90 Prozent angegeben.
Was Warsh und Lagarde eint, sind die vergleichsweise hohen Inflationsdaten. In den USA kletterten die September-Werte auf 3,7 Prozent. In der Eurozone waren es zuletzt sogar 3,8 Prozent – die höchste Inflationsrate seit rund drei Jahren. Indes verfügt die EZB noch über etwas mehr Spielraum, was die Leitzinsen angeht, wobei die Wirtschaftslage als fragiler gilt. Ewig kann sich die amerikanische Fed eine steigende Inflation aber auch nicht ansehen, ohne zu reagieren.
Eine weitere Gemeinsamkeit von EZB und Fed ist ihr datenabhängiger Kurs, auf den die Europäische Zentralbank wieder hinwies.
Vorerst keine Änderungen der EZB
In ihrer aktuellen Erklärung verwies die EZB insbesondere auf die weiter gestiegenen Energiepreise. Diese erhöhen nicht nur den Inflationsdruck, sondern belasten gleichzeitig die Wachstumsaussichten im Euroraum. Zwar sei die zugrunde liegende Inflation bislang weitgehend stabil geblieben und auch bei den Löhnen seien noch keine wesentlichen Reaktionen auf die höheren Energiepreise zu beobachten. Allerdings befürchtet die EZB, dass sich der anhaltende Energieschock zunehmend auf andere Wirtschaftsbereiche auswirken könnte. Steigende Produktions- und Transportkosten könnten an die Verbraucher weitergegeben werden und die Inflation zusätzlich antreiben.
Wie es mit den Leitzinsen weitergeht, bleibt vorerst offen. Die EZB betonte erneut, dass sie ihre geldpolitischen Entscheidungen von den aktuellen Wirtschaftsdaten abhängig macht und sich nicht auf einen festen Zinspfad festlegt. Sollte der Inflationsdruck in den kommenden Wochen weiter zunehmen, wäre eine erneute Zinserhöhung bereits im Dezember denkbar. Gleichzeitig könnten die schwächeren Wachstumsaussichten und die verschärften Finanzierungsbedingungen gegen eine schnelle Anhebung sprechen. Die nächste Zinsentscheidung am 17. Dezember dürfte daher maßgeblich von der weiteren Entwicklung der Energiepreise und der Inflation abhängen.
Was bedeutet die Zinspause für Sparer?
Zahlreiche Volkswirte waren schon vorab von dieser gleichzeitigen Zinspause ausgegangen. Es bleibt dabei, dass sich die Zentralbanken die Entwicklung mit einigem Abstand ansehen und zurückhaltend reagieren. Sorgen bereiten vor allem die Kosten für Energie. Rohstoffe wie Erdöl verteuerten sich in den letzten Wochen deutlich und die Iran-Krise dauert an. Das hat massive Auswirkungen auf die Inflation.
Einziger Vorteil der derzeitigen Entwicklung sind die recht hohen Sparzinsen, die hierzulande im Schnitt wieder über 2,05 Prozent (Stand: Oktober 2026) liegen. In der Spitze erhalten Tagesgeldsparer als Neukunden bisweilen über 4,00 Prozent.
Die letzte Ratssitzung der EZB findet am 17. Dezember 2026 in Frankfurt am Main statt.
Weiterführende Links und Quellen
- EZB: Geldpolitische Beschlüsse vom 29. Oktober 2026
- Federal Reserve: Zinsentscheidung vom 28. Oktober 2026
- Eurostat: Inflationsentwicklung im Euroraum im September 2026