EZB: Keine Reflexhandlungen beim Leitzins

Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise stellte eine Anpassung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) eine Option dar – allerdings eher auf dem Papier. In der Realität entschied sich die EZB zum sechsten Mal in Folge für stabile Zinssätze: Der für Sparer interessante Einlagenzins bleibt bei 2,00 Prozent (seit Juni 2025), der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,15 Prozent und der Zinssatz der Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 2,40 Prozent. Die Herausforderung, rechtzeitig zu reagieren, wächst.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • EZB belässt die Leitzinsen zum sechsten Mal in Folge unverändert
  • Steigende Energiepreise und der Nahost-Konflikt setzen die Zentralbank unter Zugzwang
  • Federal Reserve hält US-Leitzinsen ebenfalls stabil

Steigende Inflation, steigende Zinsen?

Die Leitzinsen unangetastet zu lassen, entspricht den mehrfach wiederholten Leitsätzen der EZB, sich a) generell datenbasiert zu verhalten und b) Abweichungen vom Inflationsziel bei Bedarf für eine gewisse Zeit zu ignorieren. Indes steht die Zentralbank vor der schwierigen Aufgabe, sich nicht zu viel Zeit zu lassen: Die Aussichten hinsichtlich der Inflation und des Wirtschaftswachstums in Europa trübten sich in den letzten Wochen deutlich ein. Die Auswirkungen des Iran-Kriegs sind spürbar – speziell durch explodierende Öl- und Gaspreise. Statt weiteren Zinssenkungen erwarten Experten mittlerweile eher bis zu zwei Anstiege um jeweils 25 Basispunkte in diesem Jahr.

In ihrer aktuellen Erklärung weist die EZB auf die Unsicherheiten hin: „Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten geführt. Er hat Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge.Durch höhere Energiepreise wird sich der Krieg auf kurze Frist erheblich auf die Inflation auswirken.“

Entsprechend hält sich die EZB zunächst zurück und bekräftigt die Zielsetzung, die Inflation mittelfristig bei 2,00 Prozent zu stabilisieren. Der EZB-Rat sei gut gerüstet, um die gegenwärtigen Unsicherheit zu bewältigen.

Die Inflationsprognosen der Zentralbank wurden gegenüber den Projektionen von Ende 2025 nach oben korrigiert. Vorausgesehen wird nun eine Inflationsrate von 2,60 Prozent für 2026, 2,00 Prozent für 2027 und 2,10 Prozent für 2028. Die Kerninflation soll laut Zentralbank auf 2,30 Prozent für 2026, 2,20 Prozent für 2027 und 2,10 Prozent für 2028 steigen. BEim Wirtschaftswachstum sinken die Angaben auf nur noch durchschnittlich 0,90 Prozent in diesem Jahr sowie knappe 1,30 Prozent im Jahr 2027. Für 2028 sind 1,40 Prozent vorhergesagt.

Potentiell könnten die Daten noch schlechter ausfallen, sofern sich der Krieg im Iran als längerfristig herausstellen sollte.

Keine besonderen Neuigkeiten gibt es zu den Anleihebeständen. Jene nehmen weiterhin moderat ab. Das gilt für die APP-Anleihebestände und für die gekauften Papiere des PEPP-Programms. Tilgungsbeträge fällig werdender Anleihen werden nicht wieder angelegt.

Die Aussage bezüglich einer „gute Lage“, welche EZB-Präsidentin Christin Lagarde Europa und der Inflation zuletzt assistierte, alterte nicht besonders gut. Doch die europäische Zentralbank agiert in der Regel erst, wenn es ausreichend sichere Daten gibt. Der nächste Zinsentscheid der EZB findet am 30. April 2026 statt. Dann steht fest, in welcher Richtung es weitergeht.

Keine Zinssenkung in den USA

Bereits vor der EZB vermeldete die Federal Reserve (FED) am Mittwoch ihre Zinsentscheidung und beließ den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Auch hier beherrscht die Unsicherheit zur Entwicklung der Wirtschaft das Stimmungsbild. Im Gegensatz zu Europa liegt die US-Inflation zudem über dem 2,00-Prozent-Ziel (Februar 2026: 2,40 Prozent). Damit steckt die FED in einem Dilemma. Ein sinkender Leitzins kurbelt zwar die Konjunktur an, lässt aber gleichzeitig die Inflationsrate ansteigen. Steigt der Leitzins hingegen, könnte es die Konjunktur schwächen und die Arbeitslosenquote erhöhen.

Weiterführende Links und Quellen

Geldpolitische Beschlüsse 19.03.2026

Fed Zinsentscheid heute: Leitzins USA im Irankrieg – Prognose 2026?

Tagesgeldrechner: