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Ursachen und Auswirkungen der Finanzkrise auf die EU

Unter einer Finanzkrise sind größere Verwerfungen im Finanzsystem zu verstehen. Die Sachvermögensbewertungen sinken plötzlich, zahlreiche Unternehmen aus der Finanzwirtschaft und ebenso aus anderen Branchen sind zahlungsunfähig. Hinzu kommt, dass in einem oder mehreren Ländern die ökonomische Aktivität beeinträchtigt wird. Die Kür des Wortes Finanzkrise zum Wort des Jahres 2008 zeigt, welche Auswirkungen das Finanzsystem hat. Aber wie konnte die gigantische Blase zum Platzen gebracht werden  und was waren bzw. sind noch immer die Auswirkungen der Finanzkrise?

Problementstehung

Seit dem Jahr 2007 gibt es eine Finanzkrise mit globaler Bankenkrise und Wirtschaftskrise. Sie begann im Sommer des Jahres mit einer US-Immobilienkrise, die unter anderem eine Folge der Immobilienblase in den USA war. Der Grund war ein spekulatives Aufblähen des Immobilienmarktes. Der 9. August 2007 gilt als Starttag der Finanzkrise. An dem Tag war ein deutlicher Anstieg der Zinsen für Interbankfinanzkredite zu beobachten. Andere Länder wie beispielsweise Spanien hatten das gleiche Problem. Auch hier war eine Immobilienblase der Grund für das Bedrängnis der Banken.

Was bewirkt die Finanzkrise?

Durch die Krise sind in erster Linie Verluste bis hin zu Insolvenzen von Unternehmen weltweit zu beobachten. Der Zusammenbruch der US-amerikanischen Großbank Lehman Brothers im September 2008 bildete den vorläufigen Höhepunkt der Finanzkrise. Mehrere Staaten und große Finanzdienstleister mussten mit immensen Zahlungen die Bank am Leben halten. Die Gelder kamen aus staatlichem Fremdkapital und aus Eigenkapital. Die Diskontsätze blieben auf einem niedrigen Niveau oder wurden noch weiter heruntergesetzt. So war es möglich den Banken „billiges Geld“ zu geben und damit die Kreditvergabe aufrechtzuerhalten.

In der Realwirtschaft schlug die Krise mit den Senkungen der Produktion und Zusammenbrüchen von Unternehmen zu. Vielen Unternehmen blieb nichts anderes übrig als Konkurs anzumelden und Mitarbeiter zu entlassen. Einer davon war zum Beispiel der Autohersteller General Motors. Viele Staaten hatten ohnehin schon eine hohe Staatsverschuldung, die durch die Krise weiter anstieg. Daraus resultierend war die USA 2011 von einer Staatspleite bedroht.

Aufgrund der Krise schätzte im April 2009 der Internationale Währungsfonds, kurz IWF, weltweite Wertpapierverluste auf vier Billionen US-Dollar.

Als eine Beruhigung der Finanzmärkte eintrat, kam es im Oktober 2009 im europäischen Raum zu einer Staatsschuldenkrise. Der Grund war, dass Griechenland seine tatsächliche Finanzlage offen legte und Hilfspakete von EU und IWF anforderte, um die Staatsinsolvenz zu vermeiden. Die Allgemeinheit spricht von einer Eurokrise und einer US-Krise. Dennoch deuten wissenschaftliche Analysen darauf hin, dass die Staatsschuldenkrise von Griechenland eine Ausbreitung auf andere Eurozonen-Staaten mitverursacht hat uns sogar weltweite Spuren hinterlässt. Grund dafür ist die Bankenrettung, für die einige Staaten große Staatsgeldmengen aufwendeten und dadurch einen starken und sprunghaften Anstieg der Staatsverschuldung verursachten.

Was sind die Ursachen für die Finanzkrise?

Es gibt in der Wirtschaft kontroverse Diskussionen, was die Ursachen für die US-Finanzkrise sind. Die meisten Analysten sprechen von einem Bündel verschiedener Ursachen. Der US-Kongress hat die Financial Crisis Inquiry Commission bestellt, um die Ursachen ausfindig zu machen. Die Kommission verhörte Beteiligte und hat umfangreiches Beweismaterial gesichtet. Von der Expertenkommission waren die Mehrheit der Meinung, dass zum einen die Niedrigzinspolitik und die Spekulation im Immobiliensektor ganz entscheidend waren und zum anderen die unzureichende Regulierung des Bankensektors.

Vor der Krise gab es weltweit über einen längeren Zeitraum einen vergleichsweise niedrigen realen und nominalen Zinssatz. Damit die US-Konjunktur stimuliert wurde, betrieb die US-Notenbank Fed eine Niedrigzinspolitik. An den US-Börsen waren die Kurse nach der geplatzten Dotcom-Blase niedrig. Damit war eine neue Preisblase möglich, die in dem Fall den Immobilienmarkt betraf. Ihr Zerplatzen wird als unmittelbarer Anlass für das offene Ausbrechen der Finanz- und Bankenkrise angesehen.

Auswirkungen auf die Finanzmärkte

Nicht nur risikobereite Hedgefonds zählten zu den beliebten Investitionsprodukten. Konservative Investmentfonds gehörten ebenso dazu. Allerdings überwog die Zahl der spekulativen Hedgefonds, insbesondere bei den Wertpapiertranchen mit höherem Risiko. Investoren hatten Verluste, die zum Teil eine Schließung oder ein Abwickeln der Hedgefonds nötig machten. Investmentbanken traf es aber ebenfalls.

Da Hedgefonds geschlossen wurden und Investmentbanken Verluste machte, nahm die Risikobereitschaft der Anleger ab. Die Anleger zogen aus dem Kapitalmarkt in kurzer Zeit erhebliche Beträge ab. Neue Investitionen in risikoreiche Anlagen hielten sie ebenso zurück. Die von Banken gegründete Zweckgesellschaft zur Refinanzierung kam durch die abnehmende Risikobereitschaft der Investoren zum Stillstand.

Wie sieht es mit der Krise jetzt in Europa aus?

Die Politik ist seit 2010 bemüht die Schuldenkrise zu bewältigen. Das Ende ist dennoch nicht in Sicht, obwohl Garantien, Kredite und Versprechen vorliegen. Griechenland hat mit dem gefälschten Haushaltsetat begonnen, mittlerweile gibt es eine Ausbreitung der Krise im Euroraum. Die Politiker hatten gehofft, die Krise mit Hilfspaketen für Athen eindämmen zu können. Diese Hoffnung hat sich jedoch nicht erfüllt. Irland und Portugal kamen nach und benötigten ebenfalls Milliardenkredite. Im Frühjahr 2012 wurde Griechenland ein großer Teil der Schulden erlassen. Spanien kam im Juni 2012 mit der Bitte um Hilfe aus den europäischen Rettungstöpfen, damit es das Bankensystem weiter stützen konnte.

Im Mai 2010 wurde ein Rettungsschirm in Höhe von 750 Milliarden Euro von den EU-Staaten aufgespannt. Damit sollten im Notfall für Euro-Länder Kredite möglich sein, wenn sie Hilfe benötigen. Die Hoffnungen, der Schuldenkrise so ein Ende zu bereiten erfüllte sich aber nicht. Irland war das erste Land, das Hilfen aus dem Rettungsschirm beantragte. Mit der Zustimmung zu einem Hilfspaket von 85 Millionen Euro musste Irland im Gegenzug einen harten Sparkurs verfolgen.

Bereits vorher, im März 2010 hatte der EU-Gipfel ein Gesamtpaket verabschiedet, das die Schuldenkrise überwinden sollte. Das Gesamtpaket beinhaltet den permanenten Rettungsschirm, hinzu kam eine Verschärfung des Stabilitätspakts und zu guter Letzt ein neuer "Euro-Pakt-Plus". Letzterer verpflichtete Regierungschefs zu Strukturreformen.

Entwicklung in Portugal und Italien

Portugal bat im April 2011 um Hilfen von der EU. Das Hilfspaket beinhaltet Kredite von 78 Milliarden Euro. Griechenland kam trotz Sparmaßnahmen nicht mit dem bestehenden Kredit aus und benötigte im Juni eine weitere Teilzahlung. Insgesamt belaufen sich die Hilfen für Griechenland damit auf 65 Milliarden Euro. Im Juli 2011 traf es schließlich auch Italien. Für die Staatsanleihen haben die Risikoaufschläge angezogen. Korruptionsgerüchte um den italienischen Finanzminister Giulio Tremonti waren der Auslöser. Im Juli folgte ein neuer Beschluss für ein Hilfspaket für Griechenland mit 109 Milliarden Euro.

Die Schuldenkrise erfasste Italien im November 2011 massiv. Die Renditen für Staatsanleihen erreichen einen Wert von über sieben Prozent. Spanien war ebenfalls gezwungen immer höhere Zinsen zu bieten. Allerdings liegt der Blickpunkt nicht mehr nur auf den Schuldensündern. Staaten in Kerneuropa wie Österreich, Belgien und Frankreich trifft das Misstrauen der Investoren ebenso. Die Folge ist die Steigung der Refinanzierungskosten. Die Forderung von Ökonomen und Politikern nach Aufgabe der Zurückhaltung der EZB und die Forderung, Staatsanleihen im großen Stil aufzukaufen, wird immer lauter. Die EZB und die deutsche Regierung halten jedoch an ihrer strikten Ablehnung fest.

Entwicklung in Frankreich und Griechenland

Frankreich versprach indes weitere Sparmaßnahmen. Ziel war die Zerstreuung von Zweifeln an der Kreditwürdigkeit des Landes. Es hielten sich hartnäckig die Gerüchte, dass Frankreich die „AAA“-Note verlieren könnte, was eine starke Schwächung der französischen Banken zur Folge gehabt hätte. Die Aktien der Société Générale büßten dadurch bis zu 20 Prozent ein. Nachdem im September 2011 der Bundestag nach langer Diskussion einer Aufstockung zustimmte, die den Rettungsschirm betrifft, ist Deutschland damit Bürge für 211 Milliarden Euro.

Nach weiteren Hilfspaketen für Griechenland erklärte die Ratingagentur Standard & Poor´s Griechenland im Februar 2012 als bankrott. Vom Bundesverfassungsgericht wird im September 2012 der Weg geebnet für den europäischen Rettungsschirm ESM. Gegner befürchten für Deutschland Risiken, die nicht zu kalkulieren sind. Für Deutschland liegt die Haftung bei 190 Milliarden Euro. Insgesamt beträgt das Volumen des ESM 700 Milliarden Euro.

Autor: Heike Raith, Fürth

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