Die Sommerpause ist zu Ende, die Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) sind in Berlin zusammengekommen und die aktuelle Entscheidung zum Leitzins ist gefallen: In der Ratssitzung vom 10. September 2026 entschied der EZB-Rat, die Einlagenzinsen um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent anzuheben. Ebenfalls nach oben geht es mit dem Hauptrefinanzierungssatz, der auf 2,65 Prozent ansteigt. Der Zinssatz der Spitzenrefinanzierungsfazilität klettert demnächst auf 2,90 Prozent. Für dieses Jahr könnten dies allerdings der letzte Schritt gewesen sein. Analysten rechnen mit einer Zinspause bis 2027.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Zweite Leitzinserhöhung im Jahr 2026: Einlagenzins steigt auf 2,50 Prozent
- Analysten halten eine Zinspause für den Rest des Jahres für wahrscheinlich
- Positiv: Sparzinsen für Sparer dürften weiter steigen
Inflationsdruck bleibt, die EZB reagiert
Nach der Sommerpause kommt die Zinspause – aber nicht sofort. Aktuell sahen sich die Ratsmitglieder um EZB-Präsidentin Christine Lagarde noch einmal zu einem Zinsschritt gedrängt. Der Grund: Die Inflation entfernt sich erneut von dem Zielwert 2,0 Prozent. Stattdessen beschleunigte er im August auf 3,3 Prozent (Juli: 2,9 Prozent). Immerhin landete die Kerninflation bei 2,4 Prozent und fiel damit um 0,1 Prozentpunkte zum Vormonat. Werden indes die Energiepreise separat betrachtet, verteuerten sich jene im vergangenen Monat um 14.3 Prozent. Geopolitische Spannungen und steigende Preise für Erdöl bzw. Erdgas bleiben den Verbrauchern erhalten. Entspannung? Nicht in Sicht.
Für die EZB bedeutet diese Lage: Gegensteuern. In der Erklärung zum Zinsentscheid vermerkte die Zentralbank, dass „der Konflikt im Nahen Osten […] weiterhin Inflationsdruck [erzeugt], und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben.“
Das neue Basisszenario für die Entwicklung der Inflation sieht für 2026 durchschnittlich 3,00 Prozent voraus. 2027 liegt die erwartete Gesamtinflation bei 2,50 Prozent und 2028 bei 2,10 Prozent. Die Daten für die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) landen voraussichtlich bei 2,50 Prozent (2026), 2,60 Prozent (2027) und 2,30 Prozent (2028).
Beim Wirtschaftswachstum sehen die Experten der EZB einen leichten Aufwärtstrend: 0,90 Prozent in diesem Jahr, 1,40 Prozent für 2027 und 1,50 Prozent für 2028 – alles aber mit starken Unsicherheiten belegt.
Eine stabile Aussage bezieht sich auf die Anleihenverkäufe. Seit einiger Zeit gibt die EZB regelmäßig bekannt, dass die Wertpapierbestände aus den geldpolitischen Programmen (APP bzw. PEPP) sich in vorhersehbarem Tempo verringern. Auch im September 2026 war dies der Fall.
Gründe gegen einen weiteren Zinsschritt
Die meisten Analysten hatten sich bereits vorab festgelegt, dass diese Zinserhöhung kommen wird. Die Wahrscheinlichkeit lag bei 99 Prozent, zumindest an den Swap-Märkten, an denen die Erwartungen künftiger Zinsentwicklungen gehandelt werden. Ob es 2026 jedoch einen weiteren Schritt geben wird, darüber gibt es keine einheitliche Prognose. Die Märkte gehen teilweise noch von einer Erhöhung im Dezember aus. Manche Analysten bezweifeln dies jedoch.
„An den Märkten wird nach September zwar mit weiteren Zinsschritten in diesem Jahr gerechnet, es könnte meiner Meinung nach aber auch der vorerst letzte sein“, erklärte Jasmin Ehlert gegenüber der Berliner Morgenpost. Ein Energiepreisschock lasse sich nicht mittels einer strafferen Geldpolitik lösen. Zudem gebe es Risiken für die Konjunktur.
Eine ähnliche Aussage kommt von Carsten Brzeski, Global Head of Macro bei ING. „Solange die Inflation hauptsächlich von der Energiepreisentwicklung getrieben wird, wäre es wenig sinnvoll, die Zinsen nach der kommenden Woche weiter anzuheben. Dies könnte der Wirtschaft im Euroraum schaden“, wird er in einem Morningstar-Artikel zitiert.
Ein positives Element bleibt: Für Sparer sind bis auf Weiteres leicht steigende Zinsen gesichert.
Wie es weitergeht? Am 29. Oktober 2026 findet die nächste EZB-Ratssitzung in Frankfurt am Main statt.
Weiterführende Links und Quellen
EZB Geldpolitische Beschlüsse vom 10.09.2026